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Studien zur genetischen Abgrenzung von Hunderassen 

hundBereits früher wurden Untersuchungen angestellt, um die Beziehungen der einzelnen Hunderassen zueinander zu verdeutlichen. So stellte beispielsweise Theophil Studer 1901 einen Stammbaum auf, welcher die Entwicklung der heutigen Hunderassen aus den prähistorischen Hunden darstellen soll. Er entwarf diesen Stammbaum nach kraniometrischen Merkmalen, musste dabei aber zahlreiche andere Merkmale unberücksichtigt lassen. Der Stammbaum ist aus heutiger Sicht falsch, insbesondere weil Studer die verschiedenen Hundetypen für Rassen mit entsprechenden Zuchtlinien hielt und statt des Wolfs (Canis lupus) den ausgestorbenen dingoähnlichen Wildcaniden Canis ferus, der in den domestizierten Urhund (Canis poutiantini) aufging, als Stammvater aller Hunde sah.


Experimente von John Paul Scott und John L. Fuller zu genetischen Aspekten im Sozialverhalten zeigten, dass sich die Hunderassen genetisch unterscheiden. Die beiden Forscher wählten fünf Hunderassen aus (Basenji, Sheltie, Cocker Spaniel, Foxterrier und Beagle), wobei Welpen untereinander vertauscht und Tiere verschiedener Rassen gekreuzt wurden. Es zeigte sich, dass die Foxterrier schon als Welpen eine rigorose Rangordnung entwickelten, während die Beagle- und Sheltiewelpen sehr viel friedlicher waren und keine Rangordnung bildeten. Bei Lernversuchen, wo Selbständigkeit gefordert war, waren die Basenjis besonders erfolgreich, da sie noch heute unter harten Bedingungen leben, allerdings versagten sie bei ständig wechselnder Umgebung oder bei fremden Gegenständen, da dann die Angst- und Fluchtreaktionen alle anderen Antriebe überdeckten. An zweiter Stelle folgten Cocker Spaniel, Foxterrier und Beagle. Die Shelties waren am unselbständigsten, da sie als Schäferhunde unter direkter Einwirkung des Menschen zu arbeiten hatten. Scott und Fuller kamen zu dem Ergebnis, dass das spezielle Verhalten der zielgerichtet gezüchteten Hunde stark genetisch bedingt ist; allerdings zeigten die Kreuzungen dieser Hunderassen, dass die stark unterschiedlichen Verhaltensmerkmale meist nur durch ein oder zwei Gene bestimmt sind


Eine weitere Studie, welche zeigen sollte, dass sich Hunderassen in ihrem Verhalten genetisch unterscheiden, wurde an der Universität für Molekular- und Zellbiologie in Kalifornien ein Experiment gemacht. Man nahm Border Collies und Neufundländer und untersuchte ihr Verhalten. Neufundländer lieben Wasser, bellen häufig und tragen den Schwanz hoch, während Border Collies das Wasser eher scheuen, sehr ruhig sind und ihren Schwanz gesenkt halten. Außerdem zeigen Border Collies viele Verhaltensweisen (z.B. sich ducken, starrer Augenkontakt), die sie aufgrund ihres Hütehundeerbes aufweisen, welche dem Neufundländer fehlen. Als man die beiden Rassen miteinander kreuzte, zeigte sich, dass die F1 (1. Tochtergeneration) sowohl das Hüteverhalten des Border Collies als auch die Wasserliebe des Neufundländers zeigten; ihr Bellverhalten lag in der Mitte der beiden Rassen. In der F2 (2. Tochtergeneration) gab es alle erdenklichen Kombinationen.


welpStudien der mitochondrialen DNA zeigten, dass zwischen den Rassen bestimmte Verwandtschaftsverhältnisse herrschen, welche von Forschern in vier Gruppen eingeteilt wurden. In der ersten Gruppe befinden sich Australischer Dingo, Leonberger, Bernhardiner, Irish Setter, Rottweiler, Pudel und andere moderne Rassen. In der zweiten Gruppe ist der Norwegische Elchhund als naher Verwandter der Wölfe aus Italien, Frankreich und Rumänien. In der dritten Gruppe sind Deutscher Schäferhund, Sibirischer Husky und Mexikanischer Xoloitzquintle. In der letzten Gruppe befinden sich Flatcoated Retriever, Golden Retriever, Bassethound und Rauhaardackel. Allerdings zeigen diese Ergebnisse, dass man die mitochondriale DNA noch nicht genau genug ablesen kann.


Man kann jede einzelne Hunderasse an ihren Genen unterscheiden, was Hunde zu wertvollen Objekten der Grundlagenforschung macht. Des Weiteren macht es ihre genetische Homogenität und die teilweise große Anzahl von Individuen in den Hundepopulationen einfacher, Gene zu entdecken, welche Erbkrankheiten verursachen. Dies ist insofern interessant für die Wissenschaft, weil Hunde manche Erbkrankheiten mit dem Menschen teilen - zum Beispiel Taubheit, Blindheit oder Herzleiden.


Man nimmt an, dass das unterschiedliche Erscheinungsbild der Hunderassen aus Veränderungen in der sogenannten "junk-DNA" (d.h. DNA, deren Funktion man nicht kennt) resultiert. Forscher haben herausgefunden, dass bei manchen Rassen einzelne Abschnitte der "junk-DNA" häufig wiederholt werden. Diese als "tandem repeats" bezeichneten Wiederholungen verursachen zum Beispiel beim Pyrenäen-Berghund die Sechs-Zehigkeit an den Hinterfüßen ("tandem repeats" um das Gen Alx-4 herum) oder die unterschiedlichen Schnauzenformen ("tandem repeats" um das Gen Runx-2 herum). Auch innerhalb einer Rasse lassen sich Veränderungen im Erscheinungsbild durch die "tandem repeats" nachweisen. So geht beispielsweise beim Bullterrier die veränderte Schnauzenform (Senkung der Schnauze) mit Veränderungen in der "junk-DNA" einher



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