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Shar-Pei

Shar-Pei - CH Wrinklestars Alpha Bravo CharlyUaf den spuren des Shar-Pei
Nicht immer ist es ganz leicht, eine Hunderasse hinsichtlich ihres Ursprungs und ihrer Geschichte einzuordnen. Das gilt auch für den Shar-Pei. Wer sich für das Leben und die Vergangenheit der chinesischen Faltenhunde interessiert, ist daher weitgehend auf Vermutungen und vage Spekulationen angewiesen.


In ihrem Buch "The Chinese Shar-Pei" (Virginia 1980) behaupten P.Strang und E. Olsen beispielsweise, dass der Shar-Pei bereits vor zweitausend Jahren in China von Bauern als Schutz- und Gebrauchshund gehalten wurde und schon damals wegen seiner Intelligenz und Stärke sowie seiner enormen Wachsamkeit gezüchtet wurde (vgl. Strang/Olsen, S.9). Doch gerade der Umstand, dass die Shar-Pei überwiegend bei Bauern lebten, also demnach "Armen-Hunde" waren, trägt dazu bei, dass nur sehr wenig über die Entwicklung der Rasse bekannt ist: Da nur ein kleiner Teil der damaligen Bevölkerung lesen und schreiben konnte, existieren so gut wie keine schriftlichen Quellen. Außerdem wurden Hunde früher nach Gebrauch und weniger nach Schönheit gezüchtet. Von einer systematischen Zucht kann schon gar keine Rede sein.


Eine Ausnahme in China scheint der (auch hierzulande äußerst beliebte) Pekingese gewesen zu sein. Nur die kaiserliche Familie war berechtigt, diese Hunde zu züchten und zu halten. Sie wurden alleine ihres Aussehens wegen gezüchtet und hatten somit nur repräsentative und keine Gebrauchsfunktionen.


Shar-Pei - Bruna vom OekonomEbenfalls bei Strang/Olsen nachlesen kann man, dass aus der Zeit der Han Dynastie (etwa 202 v.Chr. bis 220 n.Chr.) Statuen aus gebranntem Ton gefunden wurden, die häufig einen Hund darstellen. Viele dieser Figuren sind noch heute erhalten; man kann sie im Louvre in Paris oder im British Museum in London besichtigen. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Aussehen des heutigen Shar-Pei ist einigen dieser Hundefiguren sicher nicht abzusprechen, aber sie haben auf Grund von bildnerischen Vereinfachungen dennoch keine Beweiskraft.


Die Frühgeschichte der Shar-Pei bleibt auch deshalb lückenhaft, weil zum einen der zu betrachtende Zeitraum sehr groß ist. Zum anderen ist im Zuge der seit 1949 bestehenden kommunistischen Herrschaft bzw. der Gründung der Volksrepublik China die gesamte Haustierhaltung - natürlich auch die der Hunde - verboten worden. Es wurde nämlich erstens für unhygienisch erklärt, mit Tieren unter einem Dach zu leben, und zweitens erschien es den Regierenden des Landes angesichts der miserablen Versorgungslage der Bevölkerung untragbar zu sein, sich von Tieren die ohnehin knappen Vorräte weg fressen zu lassen. Haustiere nach kaiserlichem Vorbild zu halten, also ausschließlich zum Vergnügen, wurde ohnehin als dekadent bezeichnet und abgelehnt. Erschwerend kommt hinzu, dass während der Kulturrevolution von den Roten Garden ein großer Teil der alten chinesischen Kultur und Tradition zerstört wurde (z.B. auch Statuetten und Statuen). Dennoch wird die kleine Stadt Dah Let in der Provinz Kwung Tung als "Herkunftsort" des Shar-Pei bezeichnet.


Shar-Pei - Derrick vom OekonomSicher ist jedenfalls, dass nur die robustesten und intelligentesten Hunde überleben konnten, weil sie im Besitz von Bauern und ärmeren Leuten größtenteils gezwungen waren, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Von dieser sicherlich harten Selektion profitiert die Widerstandskraft der Rasse noch bis heute.


Wegen seiner auffällig blauen oder blauschwarzen Zunge und dem schwarzen Fang wird dem Shar-Pei eine Verwandschaft mit dem Chow-Chow nachgesagt, der die gleiche Zungenfarbe besitzt. Auch die Erklärung für dieses außergewöhnliche Merkmal ist eher in der abergläubischen Welt des Sagenhaften als in der Evolutionsgeschichte des Shar-Pei zu suchen: In uralten Zeiten glaubte man, das dunkle Hundemaul vertreibe böse Geister, wenn es beim Bellen sichtbar wurde. Was die hiesigen Zuchtstandards angeht, so ist zwar auch eine gefleckte (geblümte) Zunge zulässig, die blaue bzw. blauschwarz gefärbte Zunge wird jedoch wesentlich höher bewertet. Perfekt ist die Kombination von dunkler Zunge, Gaumen und sogar dunklem Zahnfleisch. In dem Hong Kong Hunderegister "Kow Loon Kennel Club Assoc." ist dieses Rassemerkmal von so großer Bedeutung, dass Hunde mit einer rosa oder fleckigen Zunge gar nicht akzeptiert werden. Ob hier immer noch an böse Geister geglaubt wird?


Über die wie auch immer geartete Verwandtschaft von Shar-Pei und Chow-Chow hinaus spekuliert man auch über Beziehungen zwischen dem Faltenhund und Tibetanischem Mastiff.


Wie die deutsche Übersetzung von ,,Shar-Pei", nämlich ,,Sand-Haut", zeigt, spielt der Name sehr treffend auf Struktur und vielfach auch auf die Farbe des Haarkleides dieser Hunde an; gegen den Strich fasst es sich beinahe so rau und stachelig an wie Sandpapier, und ist in dieser Form wohl einzigartig. Das in der Regel sehr kurze und vor allem auch dichte Fell bietet zusammen mit den vielen Hautfalten, die wir heute so reizvoll finden, einen sehr guten Schutz vor Angriffen.


Shar-Pei - Erin vom OekonomDoch auch so mancher Shar-Pei Besitzer leidet unter dem pieksigen Fell seines Hundes: Im Extremfall löst das Anfassen und Streicheln des "Sandpapier"-Felles Hautausschläge und Allergien aus. Häufig schafft aber eine antiallergische Salbe Abhilfe. Für Menschen mit sehr empfindlicher Haut kann sich aus diesem widerborstigen Fell unter Umständen allerdings ein wahrhaft haariges Problem entwickeln.


So wie sein harsches Fell typisch für den Shar-Pei ist, so sind es auch seine Ohren bzw. die Art, wie er sie trägt. Regel Nummer eins: Je kleiner, desto besser!


Früher - so wird erzählt - soll es Shar-Pei gegeben haben, deren Ohren so klein wie ein menschlicher Fingernagel gewesen seien. Gerade groß genug also, um die Ohröffnung zu bedecken. Würde ein solcher Shar-Pei angegriffen, wären größere Ohrlappen unter Umständen ein Verhängnis. Je größer die Ohren sind, desto leichter kann nämlich ein Hund daran gepackt werden. Verletzungen am Ohr sind zudem meist langwierig und schmerzhaft. Und in früheren Zeiten hätte ein chinesischer Bauer weder Zeit noch Mittel für die aufwendige Pflege eines kranken Hundes gehabt. Aus diesem Grund werden in der Türkei (und auch in anderen Ländern) die Ohren der Hirtenhunde auch heute noch extrem kurz kupiert. Kommt es zu einem Kampf mit Wölfen sind die Hunde durch diese Maßnahme weniger gehandicapt In Deutschland ist das Kupieren von HundeOhren laut Tierschutzgesetz übrigens verboten.


Ideal (laut Zuchtstandard) ist es, wenn die Ohren der Shar-Pei sich so eng an den Kopf anschmiegen, dass sie aus einiger Entfernung gar nicht mehr zu erkennen sind. Entscbeidend ist aber, dass die Ohren nicht mit der Schere in Form gebracht werden, sondern dass ihre Größe ausschließlich Zuchtergebnis ist.


Shar-Pei - Fela vom OekonomDie proportional winzigen Ohren weisen ein erstaunlich hohes Maß an Beweglichkeit auf; zudem kann der Shar-Pei sie unabhängig voneinander bewegen, vergleichbar den Pferden, die mit ihren Ohren spielen. Bei Ausstellungen jedoch haben die mobilen Lauscher schon manchem Shar-Pei Minuspunkte eingehandelt. Im Standard ist nur die Rede von ,,dreieckigen, mit der Spitze zum Auge zeigenden Ohren". Daß die Hunde ihre Ohren bewegen können, ist offenbar nicht allen Richtern bekannt. Da wird auch mal ein zur Seite gestelltes Ohr schnell als Fehler interpretiert. In der Erregung seitlich wegstehende Ohren dürfen also nicht als ,,Stehohren" bezeichnet werden. Absolut unerwünscht (laut Standard) sind beim Shar-Pei aufrecht stehende Ohren, wie sie z.B. ein Deutscher Schäferhund hat.


Eine letzte Anmerkung zum Thema Ohren:
Es darf nicht verschwiegen werden, dass erfahrungsgemäß kleine Ohren die größeren Probleme machen. Denn mit dem äußeren Ohr werden auch die Gehörgänge des Hundes kleiner und enger. Die Selbstreinigungskraft des Ohres ist gestört, d.h. der Schmutz kann nicht mehr ohne weiteres mit dem Ohrenschmalz nach draußen befördert werden, und die Hunde neigen dadurch häufiger zu Ohrentzündungen.


Auch Aussehen und Zucht der Vorderfront (dazu gehören Vorderläufe, Brust. und die Schulterpartie) von Shar-Pei wurden leider durch allerlei Legenden und Vorurteile beeinflußt. Früher nahm man an, dass nach außen gedrehte Vorderfüße den Shar-Pei halfen, ihr Gleichgewicht besser zu halten. Daneben konnte sogar eine wichtige mythologische Figur, der chinesische Drache, auf die Hundebeine einwirken: Seine Füße, die nach Osten und Westen zeigten, symbolisierten Stärke. Hieraus resultierten die noch vor einigen Jahren sehr häufig vorkommenden, unnatürlich ausdrehenden Vorderläufe beim Shar-Pei.


Shar-Pei - Xenia vom Oekonom Mittlerweile ist man bereits erfolgreich dazu übergegangen, dieses fehlerhafte Rassemerkmal wieder weg zu züchten. Die Vorderfront der Shar-Pei soll gerade und die Pfoten geradeaus gerichtet sein. Die Hinterläufe dürfen nicht so steil stehen wie die des Chow-Chow, sie sollen leicht gewinkelt sein. Auch diese Forderung hat Tradition. Früher mußten Shar-Pei sehr wendig sein.
Doch auch heute noch sind vier gesunde Hundebeine zweifellos ungemein wichtig.


Dass ein Shar-Pei ein hohes Maß an Tapferkeit und Mut am ganzen Körper ausstrahlen soll, beweist auch die strenge Beurteilung seiner Rute durch den Zuchtstandard. Drei Varianten sind grundsätzlich erlaubt. Erstens der "cointail", die extrem in sich gekringelte Rute, die als optimal gilt. Zweitens gibt es den "loose curl": die Rute liegt in sich geschwungen auf dem Rücken des Hundes auf. Die dritte Möglichkeit ist die Rute in Form eines offenen Bogens, der den Rücken nicht berühren darf. Generell muß die Rute so getragen werden, dass der Anus des Hundes sichtbar bleibt. Ein Shar-Pei, der seine Rute hängen läßt wie beispielsweise ein Irish Setter, oder der ihn gar zwischen die Hinterläufe klemmt, wie es der Borzoi macht, beweist dagegen offenbar kein großes Selbstvertrauen.


Bilder und Beitrag von Shar-Pei Zwinger : "vom Oekonom" - © 2008